Im Gespräch mit Julian Diendorfer von JuPet Brettspiele

Julian Diendorfer mit JuPet als Zentrum für Brett- & Rollenspiele
Shopauslage JuPet
Eine Auslage die jeden einladet ein Blick hineinzuwerfen

Die Würfelspelunke geht mit ihren Grenzen selbstverständlich weit über den eigenen Thresen und der eigenen Pforte. Wie beim Großmeister Kvothe, der Edema Ruh, kann es nur gute Geschichten und Abenteuer geben, wenn man auf Reisen geht. Diese führt mich in die Innenstadt von St. Pölten, zu einem ganz besonderen Krämer und Handelsmann für Brett- & Rollenspiele aller Arten.

JuPet nennt sich der Kaufmannsladen und Julian ist der Herr der Spiele darin. Wer Spiele sucht, die nicht in jedem Handel erhältlich sind oder die Meinung eines Kenners benötigt, ist hier genau richtig. Julian war so nett und hat sich für ein Gespräch mit dem Spelunkenwirten Roman Zeit genommen um ein paar Fragen zu beantworten.

Welche Frage würde sich Julian als erstes stellen in einem Interview?

Ich stelle mir eigentlich Tag ein Tag aus, dieselbe Frage: Wie kann ich es noch cooler machen und wie kann ich dafür sorgen das mehr Leute es gleich empfinden wie ich. Manchmal frage ich mich für was ich das alles tue aber wenn an einem Spieleabend der Laden voll ist, weiß ich es warum.

Was ist deine Vorgeschichte? Erzähl uns doch ein wenig von der Zeit vor JuPet.

Ich habe in St. Pölten Koch gelernt und mir im Anschluss meines Zivildienstes gedacht nur in St. Pölten zu sein, ist nicht alles. Für das, ist die Welt einfach zu groß. Um die Welt zu sehen, bin ich mit 21 beruflich, mit dem Gedanken eines One Way Tickets, nach Kanada ausgewandert. Quasi: Ich komme nie wieder zurück.
Nach einigen Jahren und von „hier bis dort“ bin ich letztendlich, wie man sieht, doch wieder zurückgekommen. Der Gedanke nicht mehr in der Gastronomie weiter zu machen führte mich auf einen anderen Pfad. Es gab nichts was von Interesse war zu dieser Zeit und durch mein Erspartes, dachte ich mir: Wenns nix gibt was mich interessiert, dann mach ich selber was und gründete den Shop.

JuPet Banner
Falls Herolde durch die Stadt ziehen, ein passendes Wappen

Wie schwer war das für dich?

Einerseits schwer und andererseits leicht. Angefangen hat es mit mir und meinem besten Freund. Von da kommt auch der Name JuPet. Ich bin der Julian und er heißt eigentlich Clemens. Bei jeglichen Games in der Vergangenheit waren unsere Initialen/Nicknamen ( Julian mit „Ju“ und Clemens mit „Opet“ ) immer als Kombo („JuPet“) in Verwendung. Einige Zeit haben wir überlegt wie wir unseren Shop nennen. Unter Tausend coolen Ideen, blieben wir letztendlich bei JuPet.

Ursprünglich versuchten wir uns mit einem Onlineshop. Es war aber ein Fehlschlag da man viel Know-how benötigt in Bezug auf Marketing, Business und Webseiten. Wir hatten weder das eine, noch das andere und sind mit Bausteinlösungen an den Start gegangen. Situativ wertlos, aber für uns okay, da wir die Zeit genutzt haben um überhaupt herauszufinden, wie die Branche ist. Man kennt diese ja nur von außen als Kunde.

Wir hatten jedoch das Glück Gernot kennenlernen zu dürfen. Als Sozialpädagoge hatte er für seinen Schützling ein Geschäft eröffnet, nach dem dieser keine Chance am Markt gehabt hätte. Bei einem Treffen zeigte er Begeisterung für Brettspiele und somit eröffnete ich den Shop bei/mit ihm. Und so entstand der erster Schritt zur jetzigen Mischung dieser MiniMall.

Nach Eröffnung waren wir total überfordert. Juli 2017 war die Firmengründung und März 2018 die Shop Eröffnung. Diese Zeit nutze ich um zu erfahren wann, wo, was und wie das Ganze funktioniert. Wo bekomme ich Sachen her. Als Nicht-Firma gibt es kaum Infos oder Preislisten. Das musste ich mir erst alles erarbeiten. Letztendlich war es dann doch leichter als gedacht. Als wir den Shop tatsächlich hatten, ging es dann eigentlich ganz gut. Das Gründen einer Firma ist überhaupt kein Problem in Bezug auf Behördenwege. Die treibende Kraft im Shop bin ich. Bei Events bekomme ich aber immer Hilfe und Unterstützung. Die MiniMall selbst umfasst acht Geschäfte, von CBD Produkte bis zu Weinhandel und fertige Lebensmittel, ist alles vertreten.

Welcher ist dein Lieblingswürfel als bekennender Rollen- und Brettspieler? Mit welchem Würfel wirfst du die besten Ergebnisse?

Ich habe nicht einen Würfel mit dem ich am besten würfle, sondern ich habe mit allen, gute Ergebnisse. Das heißt du kennst in diesen Bezug keine „Wahrscheinlichkeit“ 🙂. Mein Lieblingswürfel ist dieser kleine Schaumstoffwürfel (W6). Diesen habe ich zu meinen ersten Shop-Geburtstag geschenkt bekommen.

Kurze Einblende: Heroisch nahm Julian den Würfel und warf ihn mit scharfem Auge und starker Hand über den Tisch. Es wurde eine glatte 1 😊.
-Gelächter-

Früher hatte ich einen Beutel mit passenden Würfeln zu dem jeweiligen System. Aber um ehrlich zu sein, leide ich ständig unter Würfelknappheit. Aber nicht mehr im privaten Setting, sondern eher beruflich. Manchmal passiert es, dass ich coole Würfelsets bestelle, weil sie mir einfach gefallen und ich denke, dass sie so und so keiner kaufen wird. Natürlich packe ich die Schachtel aus und das erste was passiert, es kommt wer und kauft die Würfel. Ich, in meinem geistigen Auge, ein theatralisches NEEEEEEIIIIINNNN.

Ich denke mir oft, dass ich Sachen im Wissen für mich kaufe und sie nicht benutzen werde. Aber du hast das Gefühl und die Sicherheit sie zu besitzen. Für die Zukunft ist der Plan jedes Mal mindestens 10 Stück zu kaufen (egal von was) um nicht mehr in eine gewissen Knappheit zu geraten. Ich besitze mittlerweile keine eigenen Würfel mehr. Naja du hast ja auch ein Geschäft. –Gelächter- Ich habe mich entschieden einfach die Dimensionen zu wechseln.

Hat man eigentlich als Brettspielladenbesitzer noch eine eigene Sammlung?

Es ist eigentlich fast alles hier. Also sammelt man noch so wie früher? Es ergibt sich irgendwo. Mittlerweile schaue ich nach Spielen die nicht nur mir gefallen, sondern die auch rezensionstechnisch für andere ansprechend sein könnten. Bei Spiele die mir richtig gut gefallen, bestelle ich mehr und nehme mir selbst dann ein Demoexemplar. Mittlerweile sind die Spiele meine Arbeitsutensilien. Schon echt geil und sensationell, wenn man so einen Satz kann, oder nicht? Natürlich!! Ich habe nicht mehr so die enge Verbindung zu einem Spiel aber es gibt schon noch ein paar Favoriten. Dann darf ich gleich zur nächsten Klischeefrage überleiten…

Was ist dein Top Genre?

Ich sehe mich selbst mehr bei den Dungeon Crawlern. Wirklich? Hätte dich mehr im Worker Placement gesehen. Ist nicht so meins. Wir haben ja bereits vorher über Terraforming Mars gesprochen, mit der gleichen Meinung als Ergebnis. (Wir mögen es nicht und unterliegen nicht der Masse 😉) Es gibt eigentlich nur eine Sache die mir definitiv keinen Spaß macht und das sind Spiele, ohne jegliche Interaktion oder Beeinflussung mit den Mitspielern. Da kann ich gleich alleine zocken.

Klischee-Frage: Deine Top 3 momentan

Nemesis, Last Bastion, Lanzeloth, Keyforge… (Langer Diskurs über „alte“ Magiczeiten und meine Bedenken zu Keyforge) … Vielleicht können wir uns ja Keyforge kurz ansehen im Anschluss …

Welchen Epic Moment (heroische Taten, Verrat,…) hattest du bereits in einem Spiel?

Sehr viele, in langer Zeit aber ein guter, der nicht einmal von mir selbst ist, fällt mir sofort ein. Mein bester Freund (mit dem ich den Shop habe) hatte eine Shadowrun Session am Laufen und plante mit dieser Gruppe einen Run. Dieser Run beinhaltete Fallen jeglicher Art und die Gruppe entschied sich zum Selbstschutz, eine alte Oma zu entführen und diese in jeden Raum vorauszuschicken. Safety first, man muss ja sicher gehen das wirklich keine Falle da ist. Naja und das letztendliche Ergebnis: Die Oma ist in die Luft geflogen. -Gelächter- Der Auftrag ging in die Hose und sie wurden am Ende verklagt, weil sie eine Oma gekidnappt haben.

In Call of Cthulhu hatte ich einen Charakter mit einem unfassbar niedrigen Charismawert. Ehemaliger Polizeikommissar und jetzt Detektiv. Er war hässlich. Durch und durch. Abgebildet war dieser Charismawert, mit ein wenig einem Buckel und einem übermenschlichen Haarwuchs an Körperstellen, wo eigentlich keine wachsen sollten. Der Abend war ein OneShotAbenteuer und die Location ein Diner bei irgendeinem Reichen. Licht ging aus und dämonisches Gespucke begann. Irgendwie waren wir alle gefesselt an unseren Stühlen. Ich sagte dem Spielleiter, dass ich meine Rasierklinge zücke um mich zu befreien. Natürlich stellte er mir die Frage, wie ich den auf die Ideen komme, eine Rasierklinge mitzuhaben in dieser Situation. Relativ einfach erklärt meinerseits: Schau mich doch einfach an. Jemand mit diesem Haarwuchs, muss immer bereit sein, sich rasieren zu können. Der Spielleiter stimmte dem ganz selbstverständlich zu und somit gelang die Befreiung aus den Fesseln. -Gelächter-

Wir hatten das Szenario in Rex-Twilight Imperium. Bündnisse wurden relativ schnell geschlossen für einen sicheren Sieg. Es ergab sich jedoch eine Situation in der ein Bündnispartner hätte vielleicht alleine gewinnen können. Er pfiff auf Ehre und Wort und brach für diese kleine unwahrscheinliche Chance das Bündnis und verlor letztendlich. Der Blick war wie in dieser Braveheartszene mit Mel Gibson und Robert the Bruce am Schlachtfeld wo er ihn verraten hat. Bis heute geht, in unserer Gruppe, keiner mit ihm mehr ein Bündnis ein. Egal in welchem Spiel. Für immer gebrandmarkt. -Gelächter-

Deine Vision und Wünsche für dich und die Community?

Ich möchte am Anfang nichts überstürzen. St. Pölten hat ein gewisses Potential und eine gewisse Menge an Sachen die man machen kann. Die geilsten Spieleshops die ich gesehen habe waren einer in Oslo und einer in Stockholm. In Oslo verbrachte ich sehr sehr viel Zeit darin. Dieser war zweistöckig, mit Spielebereich im Keller und Spieleverleih, Rollenspielbereich. Eine eigene Fantasy Bibliothek mit einem aufliegenden Necronomicon zum schmökern. Nerdabteilung mit Stuff und Zeug, welches jedes Herz höherschlagen lässt. Wäre das deine Vision?

Ja das würde ich auch gerne irgendwann mal machen und besitzen. Aber sowas dauert einfach. Meine Zukunftsvorstellungen wären in ein paar Jahren wieder meinen Shop zu vergrößern und die ein wenig die Modellbausektion einzubeziehen. Bis dahin möchte ich eine größere Community schaffen und noch mehr in meinem Shop anbieten.

Der Dungeon von JuPet Brettspiele
Ein Dungeon im Keller sorgt für Stimmung beim Pen & Paper

Was bietet JuPet in St. Pölten für die Community?

3 x in der Woche bis 21 Uhr geöffnet (selten der Fall, weil es meistens länger ist)
Dienstag: Keyforgeturniere
Mittwoch: normaler Spieleabend
Samstag: verschiedenste Veranstaltungen
Freitag: Magic und Rollenspiel unten im Dungeon mit unterschiedlichen Systemen

Unten im Dungeon!?!

Ja ich habe meinen eigenen Rollenspiel-Dungeon. –Neidige Blicke meinerseits 😊-

Nach einem sehr netten Gespräch, umgeben von Spielen aller Art, blieb ich noch sitzen und lies mir Keyforge näher bringen. Als ehemaliger Magic Spieler und Julians Marketing Strategie konnte ich natürlich nicht widerstehen mir eine Starterbox zu kaufen. Kaum zuhause angekommen verspürte ich eine gewisse Knappheit an Decks :))
JuPet kann nur wachsen mit Unterstürzung der Community. Ich hoffe das dieser Shop in Zukunft noch mehr zum Dreh- und Angelpunkt wird und ich kann jedem nur ans Herz legen, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen um mit Julian ein Gespräch zu führen.

Alea iacta est Abenteurer und vielleicht auf ein baldiges Treffen bei JuPet

Euer Roman

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